Hohenwarte mit Rohrbahn

Heimatgeschichte von Preßwitz

  Im Reichsgesetzblatt vom 15. Februar 1935 wurde bekannt gegeben, dass die Saale-Talsperre in Hohenwarte gebaut werden soll und die zuständige Aktiengesellschaft Obere Saale das Recht erhält, Grundeigentum und Rechte am Grundeigentum durch Enteignung zu erwerben, wenn diese dem Talsperrenbau im Wege stehen. Somit war das Ende der Gemeinde Preßwitz besiegelt, denn die 125 Einwohner mussten vor der Überflutung umgesiedelt werden.

Fotogalerie Preßwitz

Wir sind den Anblick des touristisch attraktiven Hohenwarte-Stausees gewohnt und erfeuen uns an den Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Beim Betrachten der Fotogalerie kann man den Schmerz der ehemaligen Einwohner nur erahnen, die ihr lieb gewonnenes Umfeld, ihre Häuser und Nachbarn aufgeben mussten.

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Um dem versunkenen Ort Preßwitz ein Andenken zu bewahren, entsteht in der nächsten Zeit in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein 1973 e.V. auf unserer Internetseite eine Fotogalerie. Unser Dank gilt aber nicht nur den aktiven Vereinsmitgliedern, sondern auch allen Personen, die dem Verein unzähliges Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.

Interessenten über weitere Details können gerne Kontakt mit dem Heimatverein Hohenwarte 1973 e.V. aufnehmen (Tel.: 036733/ 21759)

Zur Erinnerung an die 60. Wiederkehr der Eingemeindung des Dorfes Preßwitz nach der Gemeinde Hohenwarte am 1. April 1938

Im Jahrbuch des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt "Wir in Thüringen" wurde 1999 an das Dorf Preßwitz erinnert:

Das Leben, auch das einer Landschaft, ist ständig den Gesetzen der Entwicklung und des Wandels unterworfen. Einfache, doch in ihrer Art große Dinge bestimmen den Schwung des Lebens. So vollzog sich auch um Hohenwarte Tod und Geburt in einem, als zwischen „Falleisen“ und „Quitschen“ eine Staumauer errichtet wurde. Auf das große neue Werden haben sich die Bewohner des oberen Saaletales vorbereiten können. Hohenwarte, als unbedeutender Ort, steht mit Errichtung der Talsperre am Beginn einer nicht zu unterschätzenden Entwicklung.

Anders jedoch die Entwicklung des Dörfchens Preßwitz. Preßwitz war ein idyllisch gelegener Ort mit 27 Häusern und 125 Einwohnern, die sich auf 9 Bauernhöfe, 16 kleinere Landwirtschaften und einige Familien ohne Landbesitz verteilten. Dazu gehörten ein Kirchlein mit Mauerwerk und schwerem Steintor sowie ein Schulhaus. Neben der Landwirtschaft übten die Bewohner ihr Tagwerk als Zimmermann, Schmied, Korbmacher, Schuhmacher, Fleischer, Flößer, Fischer oder Gastwirt aus. Ein Teil der Leute ging nach Hohenwarte in die Kartonfabrik zur Arbeit. In Hohenwarte stand auf Preßwitzer Flur die Kartonfabrik der Herren Dr. Müller und Güntzsche. Im Werk waren annähernd so viel Menschen beschäftigt, wie Preßwitz Einwohner hatte. In den Werkswohnungen waren 14 Familien untergebracht. Somit hatte die wohlhabende Gemeinde Preßwitz ca. 180 Einwohner.

Anfänglich wurde gegen das Vorhaben des Baues der Talsperre bei Hohenwarte und das Überfluten der Gemeinde Preßwitz gesprochen. Der Bau wurde von der AG „Obere Saale“ in Weimar übernommen, wie einst der Talsperrenbau in den Bleilöchern. Der Bau wurde erst begonnen, als entgegen dem Ursprungsplan, von einer Überstauung der wichtigen Kartonfabrik und der Gemeinde Hohenwarte Abstand genommen wurde. Der Plan sah eine Beendigung der Arbeiten bis Ende 1939 vor. Der Bau der Hohenwarte-Talsperre bedeutete zugleich das Ende für die im Staugebiet liegenden Gemeinden Preßwitz und Saalthal.

Die Kirche sollte ursprünglich in der Flur der Gemeinde „Neupreßwitz“ neu errichtet werden, bevor man sich entschied, dass Hohenwarte der geeignetste Platz für das Gotteshaus sei, da viele Preßwitzer aufgrund der Beschäftigung in der Kartonfabrik wohnten.

31. Juli 1937
Die ersten 100.000 m³ Beton für die aus zukünftig 27 Betonblöcken von je 15m Breite bestehende Staumauer sind eingebracht. Die Staumauer hat insgesamt eine Höhe von 74,4m bei einer Kronenlänge von 412m und einer Kronenbreite von 7,20m. Der letzte Kubikmeter Beton (von insgesamt 450.000), der damit im Grundkörper fertigen Staumauer, wurde am 14. Februar 1941 eingebracht.

10. Oktober 1937
Bildung der selbständigen Kirchgemeinde Hohenwarte

1. Dezember 1937
Eingliederung der Kirchgemeinde Hohenwarte in das Kirchspiel Eichicht

Ostern 1938
Nach Abschluss des Schuljahres wurde der Schulverband Preßwitz aufgelöst

1. April 1938
Durch eine Verfügung der Thüringer Landesregierung wurde die Gemeinde Preßwitz mit Wirkung vom 1. April 1938 in die Gemeinde Hohenwarte eingegliedert und der Name Preßwitz aus dem Gemeinderegister gestrichen

18. April 1938
Das letzte Floß kam an Preßwitz vorbei und fuhr durch die Lücke in der Staumauer bei Hohenwarte vor deren Schließung. Mit der Schließung hörte der alte Wasserweg auf zu existieren.

Pfingsten 1938
Letzter Gottesdienst in der Kirche zu Preßwitz. Auf Tonband wurde das letzte Geläut zum Gottesdienst aufgenommen und zum Silvesterabend 1938 vom Mitteldeutschen Rundfunk gesendet

5. bis 9. September 1938
Bei Schießübungen der Wehrmacht auf Leutenberger Flur über den Berg "Quitschen" stand Preßwitz unter schwerem Beschuss

2. Osterfeiertag 1939
Kirchweihe in Hohenwarte mit dem Glockenspiel, der Orgel, dem Taufbecken mit Taufkanne aus dem Jahre 1686, dem prachtvollen Altarschrein und anderen sakralen Gegenständen, die aus der Kirche von Preßwitz überführt wurden.

22. April 1939
Aus einer Meldung der „Leipziger Neueste Nachrichten“ geht hervor, dass das an der oberen Saale liegende Dorf Preßwitz, das in den Fluten der Saale versinken wird, nur noch ein Trümmerhaufen ist, den nun in absehbarer Zeit die Fluten überspülen. Die Bewohner von Preßwitz sind sämtlich umgesiedelt.“

Die Zeit heilt die Wunden und so erinnert heute nur noch wenig an das Dorf Preßwitz. Auch die Kartonfabrik musste den Veränderungen des energetischen Ausbaues der oberen Saale, mit der Errichtung des Pumpspeicher-Kraftwerkes Hohenwarte II, weichen.

Hohenwarte nach seiner Gründung 1939

Am 25. März 1939 wurde Neu-Hohenwarte mit den Häusern Nr.1,2,3,4,5 und 7 gegründet.

 

Die Hohenwartner Schulkinder beim Aufführen des Programmes

 

Der damalige Bürgermeister von Hohenwarte und Preßwitz, Herr Dr. Max Müller, hatte aus diesem Anlaß bekannte Persönlichkeiten der Saale AG, Politiker und Bauarbeiter aus der Umgebung, in den neuen Gemeindesaal eingeladen. Nach den Festreden und einem Programm der Hohenwartner Schulkinder wurde der Festtag mit einem "Deutschen Tanz" beendet.

Die Fotos wurden vom Heimatverein Hohenwarte zur Verfügung gestellt.